Tuesday 21. November 2017

Dorfmuseum Nunningen - ein junges, erfolgreiches Geburtstagskind

Am 27. November 1993 wurde das Dorfmuseum Nunningen im 3. Stock des Altersheimes „Stäglen“ feierlich eröffnet. Sein Entstehen verdankt es dem Engagement einiger weniger Personen. Seit längerer Zeit waren erhaltenswerte Gegenstände im Keller des Bezirksschulhauses eingelagert. Der Hauptteil bestand aus einer kompletten, alten Wohnungseinrichtung. Als die Bezirksschule den Raum zur Eigennutzung benötigte, musste eine neue Lösung gefunden werden. Mit einem ungenutzten Raum im 3. Stock des Altersheims Stäglen als Ausstellungsraum und einem Zivilschutzraum ebendort konnten nahezu ideale Räumlichkeiten für ein kleines Museum gefunden werden.

Wie so oft bei erfolgreichen Geschichten stehen zu Beginn die Voraussicht, der hartnäckige Wille und das riesige Engagement von Privatpersonen. Auch in Nunningen hatte man nämlich begonnen, alte, erhaltenswerte Gegenstände zu sammeln. Nur, das Sammeln allein macht noch kein Museum. Solange die Objekte in Kellern und Magazinen verborgen bleiben, haben sie keine Wirkung. Eine Notlage schliesslich gab in Nunningen den Startschuss zum erfolgreichen Dorfmuseum: Der Keller im Bezirksschulhaus musste aufgrund von Eigennutzungsanspruch geräumt werden. Wohin mit dem wertvollen Sammlungsgut? Am 2. März 1993 wurde ein Gründergremium „Dorfmuseum Nunningen“ gebildet. Zusammen mit der Gemeinde, welche auch einen Startbetrag von Fr. 9'000.- zur Verfügung stellte, konnte ein neuer Standort im Altersheim Stäglen gefunden werden: Im 3. Stock ein 100m2 grosser Raum für die Ausstellung und im Keller ein Zivilschutzraum als Lager. Bereits am 27. November 1993 wurde das Dorfmuseum Nunningen feierlich eröffnet.

Objekte des täglichen Gebrauchs, die in ein Museum gelangen, sind oft etwas angeschlagen und verbraucht. Das bedeutet, dass sie vor dem Ausstellen gereinigt, repariert und neu gestrichen werden müssen - eine ausgesprochen aufwändige Sache. Wie viele tausend ehrenamtliche Arbeitsstunden dafür aufgewendet wurden, ist nicht bekannt: die Personen, welche diese Arbeit leisteten, haben nicht die Zeit gemessen, sondern sich an den Ergebnissen erfreut. Bald schon ist der Ausstellungsraum zu klein. Ab 1995 kann zusätzlich ein Dachstock benutzt werden. Die Stiftung Altersheim Stäglen übernimmt die Kosten für den Treppenaufgang, der Ausbau des Dachstockes ist aber Aufgabe des Dorfmuseums. Die freiwilligen Helfer, welche schon bei der Restaurierung der Objekte mitgeholfen haben, engagieren sich auch hier in aufopfernder Fronarbeit. Am 19. September 1997 wurde der Dachstock feierlich eröffnet.

Nach wie vor ist für die Trägerschaft des Dorfmuseums Nunningen keine verbindliche Rechtsform gefunden. Eine Stiftung kommt nicht in Frage, da kein eigentliches Stiftungsvermögen zur Verfügung steht und die Gemeinde nicht als Initiantin einer Stiftung mit Eigeninteresse auftreten darf. Am 25. Juni 1998, also rund 5 Jahre nach der Eröffnung des Museums, wird deshalb der "Verein Dorfmuseum Nunningen" ins Leben gerufen. Als Leitspruch gilt „Alte Werte erhalten“.

Ein wesentliches Merkmal des Dorfmuseums Nunningen - von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, für ein Museum aber äusserst wichtig - ist die Tatsache, dass von Beginn weg grosser Wert auf die Dokumentation aller Objekte gelegt wurde. Es gibt wohl wenige Museen, die wie das Dorfmuseum Nunningen von sich behaupten können, alle ihre Objekte sauber dokumentiert zu haben: Art des Objektes, Herkunft, Donator, Fotodokumentation: alles ist auf einem Datenblatt und im Computer abgelegt. Auch hier steckt wieder enorm viel ehrenamtliche Arbeit dahinter.

Ausstellung und Sammlung

Zehn Jahre alt ist das Dorfmuseum heute und es hat bereits die erste Erweiterungsphase hinter sich. Einige besondere Leckerbissen seien hier erwähnt: Das frühere tägliche Leben in Haus und Hof ist mit einer Küchenecke inklusive bestens renoviertem Holzkochherd gut dokumentiert. Ein typisches Element aus der Landwirtschaft ist der komplett eingerichtete Brennofen (ob es ein Zufall ist, dass er etwas verborgen unter der Treppe steht?). Verschiedene Objekte aus der Industriegeschichte von Nunningen (Blechwaren und Plastikartikel) weisen auf die industrielle Entwicklung des Dorfes hin. Auch skurrile Objekte wie der halbautomatische Rasierpinsel der Marke „OSTIN“ sind vorhanden. Besondere Prunkstücke sind die neu renovierte Seidenwindemaschine mit Baujahr 1869 (eine Person konnte gleichzeitig bis zu 12 Spulen winden), oder der wunderschöne Sonntags-Kinderwagen.

Einen weiteren wichtigen Zweig bildet die Dokumentation der Dorfentwicklung. So wurden viele schriftliche Zeitdokumente wie z.B. Geschäftsbücher von Handwerkern und Privaten wie auch fotografische Dokumente gesammelt. Ganze Ordner sind voll mit alten Aufnahmen und laden ein zum Schmökern und Rätseln, wer nun wirklich auf dem Bild zu sehen sei. Aber nicht nur die Geschichte der letzten zwei Jahrhunderte ist dokumentiert, die Dokumentation geht noch viel weiter zurück: Die Nunninger Erbsli, alte keltische Münzen, fehlen ebenso wenig wie viele Versteinerungen, die auch zeigen, dass Nunningen vor vielen Millionen Jahren teil des Jurameeres war.

Ein weiteres Standbein unseres Museums sind Erinnerungen an berühmte Nunninger. Stolz sind wir zum Beispiel auf eine alte Bibel, welche aus dem Besitz vom „Leder-Hänggi“ stammt, der auch den Bau des Bezirkschulhauses ermöglicht hatte. Eine Ecke ist dem Bischof Anton Hänggi gewidmet, eine andere dem langjährigen Bezirkslehrer und Heimatdichter Albin Fringeli.

Die Zukunft

Die erste Phase des Aufbaus ist vorbei. Vieles ist vorhanden und inzwischen wird gezielter gesammelt. Objekte werden nur noch aufgenommen, wenn sie entweder von exzellentem Erhaltungszustand sind oder, viel wichtiger, wenn sie eine besondere Geschichte haben. So wollen wir zum Beispiel nicht auch noch eine sechste oder siebente Rechnungsmaschine aufnehmen - es sei denn, es ist genau jene, mit der erstmals in der Geschichte der Raiffeisenkasse Nunningen die ersten einfachen mechanischen Additionen getätigt wurden. Diese Rechnungsmaschine ist uns wichtig, denn sie erzählt eine der vielen Geschichten des Dorfes.

In Zukunft sollen mit dem vorhandenen Material vermehrt kleine Sonderausstelllungen gemacht werden. Auch die aktuelle Jubiläumsausstellung unter dem Titel „Weisch no?“ soll dazu beitragen, an die Geschichten des Dorfes zu erinnern. Fotos aus dem Dorf, von Alfred Altermatt vor längst vergangenen Zeiten geschossen, werden im Rahmen der Ausstellung gezeigt - zusammen mit neuen Aufnahmen von Christian Müller aus den genau gleichen Blickwinkeln. Das Betrachten solcher Gegenüberstellungen führt regelmässig zu Kommentaren, die mit „Weisch no, wo dr ...?“ beginnen. Solche Berichte der Besucherinnen und Besucher wollen wir in der Ausstellung dokumentieren und daraus ein kommentiertes Fotoheft erstellen, das gemäss unserem Motto die verschiedensten Dorfgeschichten enthält.

Ambros Hänggi, im Oktober 2003 für den Kalender "Dr Schwarzbueb 2004"

zum Seitenanfang Letzte Änderung: 25. August 2005
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